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Tippi Hedren + Melanie Griffith: "70 Menschen verletzt"! Mit Mutter Tippi drehte sie gefährlichsten Film aller Zeiten

Maik Möhring Maik Möhring 3. April 2026 5 Min. Lesezeit 488 Aufrufe 0

Ungefähr fünf Jahre lang drehten Tippi Hedren, Noel Marshall und Melanie Griffith den Film „Roar“. Neben ihnen waren etwa 150 Wildtiere beteiligt. Was damals als „schlichtweg atemberaubender“ Streifen angekündigt wurde, ist in der Rückschau auf mehreren Ebenen gefährlich. 

Eine Familie voller Schauspieler:innen, rund 150 Raubtiere – und alle unter einem Dach: Die Dreharbeiten für „Roar – Die Löwen sind los“ aus dem Jahr 1981 liefen komplett aus dem Ruder. Ursprünglich kamen Tippi Hedren, 96, und ihr damaliger Ehemann Noel Marshall, †79, während einer Reise durch Afrika auf die Idee, einen Löwenfilm zu produzieren und zu drehen. Am Ende waren neben dem Paar auch ihre drei Kinder Melanie Griffith, 68, Jerry und John Marshall sowie über 100 andere Schauspieler:innen sowie Crewmitglieder an den fünf Jahre andauernden Dreharbeiten beteiligt. 

Der Film erstaunt nicht nur mit diesen theoretischen Zahlen, sondern auch auf einer ganz anderen Ebene: Den Beteiligten war damals offenbar nicht bewusst, welche Auswirkungen das Zusammenführen von über 100 Tieren auf engstem Raum haben sollte, die sich in freier Wildbahn nie begegnen würden. „Bei den Dreharbeiten wurden keine Tiere verletzt„, heißt es auf der Website des Films „Roar“, „aber über 70 Menschen, darunter alle Darsteller„. 

Tippi Hedren und Melanie Griffith zogen Wildtiere in ihrem Haus auf

Die zum Film gehörende Website überrascht mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund. Etwas lapidar wird die Geschichte der Dreharbeiten resümiert, beginnend mit Hedrens und Marshalls Idee, einen Löwenfilm zu produzieren: „Sie wollten einfach nur dressierte Löwen ‚mieten‘. Sie befragten viele Trainer. Man sagte ihnen jedoch, dass sie den Film ihrer Träume nur mit eigenen Löwen realisieren könnten.“

Was genau „der Film ihrer Träume“ ursprünglich zeigen sollte, bleibt unklar. Tatsächlich legte sich das Ehepaar eigene Löwen zu – und „da geriet es außer Kontrolle. Es wurde zu einer echten Herzensangelegenheit. Die ganze Familie verliebte sich in die Katzen, die sie aufzogen.“ Zuerst lebten alle fünf mit den Tieren „in ihrem Haus in Sherman Oaks, Kalifornien, bis sie erwischt wurden.“ Weil das Halten von Wildtieren in einem einzigen Haus verboten war, kauften sich Hedren und Marshall eine Farm in Acton, „wo die Haltung dieser Tiere legal ist, sofern man alle Genehmigungen hat. Dann kamen Tiger dazu“, heißt es weiter, „nicht für den Film nötig, aber sehr beeindruckend. Dann Elefanten. Pumas. Geparden. Sie wissen schon!“ 

Noel Marshall und Tippi Hedren bei den Dreharbeiten für „Roar“. Das damalige Ehepaar liegt mit drei Tigern im Bett.
© Keystone / Röhnert

Die Entstehung des Films dauerte rund zehn Jahre, ungefähr fünf davon wurde gedreht. Neben einem Team von über 100 Menschen wirkten „mehr als 150 ungezähmte Löwen, Tiger, Leoparden und Geparden“ mit, berichtet man auf der Website beinahe stolz, „hinzu kommen zwei Elefanten, zwölf Flamingos und acht Strauße … und das Endergebnis ist schlichtweg atemberaubend.

„Bei den Dreharbeiten wurden keine Tiere verletzt, aber über 70 Menschen“

„Atemberaubend“ war damals sicherlich als positiv konnotierte Formulierung gemeint, wirkt aber in der Rückschau beinahe ironisch. Die Familie schien davon überzeugt, dass das Leid der Tiere und ihr eigenes Wohlbefinden zurückgestellt, beinahe ignoriert werden könne – alles im Sinne der vermeintlichen Unterhaltung. 

Selbstverständlich stellte eine Produktion dieser Art besondere Anforderungen an Cast und Crew„, schreibt man auf der Website, und beginnt dann, die „großartigen Menschen“ zu preisen, „die ‚Roar‘ ermöglicht haben.“ Die Rede ist von den „außergewöhnlichen Talenten“ von Hedren und Griffith und von einem „preisgekrönten Kameramann“ – doch das Leid der Tiere wird mit keinem Wort erwähnt. Dafür weiter:

Bei den Dreharbeiten wurden keine Tiere verletzt, aber über 70 Menschen, darunter alle Darsteller außer Kyalo Mativo. Nicht die Tiere, sondern das Projekt selbst trug die Schuld. Wir wissen jetzt, dass es sich um Wildtiere handelt. Wenn man das tut, was die Familie im Film getan hat, ist es nicht die Frage, ob man gebissen wird, sondern wann! 

In einer Szene des Films stehen zwei Männer in der Natur, als plötzlich eine Gruppe Löwinnen in ihre Richtung läuft. Auf YouTube wurde der Clip unter dem Namen „Mit Löwen spielen“ veröffentlicht. Die Tiere überrennen einen der Männer förmlich, der innerhalb eines Wimpernschlags zu Boden geht und sich plötzlich mit mehreren ausgewachsenen Raubkatzen rauft. Er scheint auf den ersten Blick zwar unverletzt zu bleiben, dennoch wirkt die drohende Gefahr bedrückend.

Ein anderes Foto zeigt eine Szene, in der Melanie Griffith mit angezogenen Armen und Beinen auf dem Boden liegt. Ihr rechter Ellenbogen ist vom Maul einer Löwin umschlossen. Ihre Mutter Tippi sitzt auf dem Rücken des Raubtiers und versucht mit ihren Händen – vergeblich – die Löwin von ihrer Tochter wegzuziehen. Griffiths Verletzung im Gesicht musste mit 50 Stichen genäht werden, zwischenzeitlich stand sogar ihr Auge auf dem Spiel. Ein Teil ihres Gesichts musste mit einer plastischen Operation wiederhergestellt werden.

Tippi Hedren und Melanie Griffith bei den Dreharbeiten zu „Roar“.
© Bridgeman Images

Neben den Verletzungen an Menschen kämpfte die Produktion während der jahrelangen Dreharbeiten unter anderem mit einer Überschwemmung, einem Brand und einem Virus, das die Tiere befiel und die „Wildtierbesetzung dezimierte“, wie Filmhistoriker Tim Dirks auf seiner Website „filmsite“ schreibt. 

„Roar“ floppte an den Kinokassen im großen Stil

Die Leidenschaft für Raubkatzen, die Hedren und Marshall einte, fand außerhalb ihrer Produktion wenig Anklang. Filmhistoriker Dirks führt „Roar“ als einen von zwei großen Flops an den Kinokassen im Jahr 1981 auf. Das Budget belief sich demnach auf 17 Millionen US-Dollar (rund 14,6 Millionen Euro). „Roar“ lief nur eine Woche lang in den Kinos und spielte 110.000 US-Dollar ein (rund 94.600 Euro) ein.

Auf dem Plakat wurde „Roar“ als „wilde Komödie“ angekündigt.
© Everett Collection

„Roar“ erzählt die Geschichte von Madeleine (gespielt von Tippi Hedren), die mit ihrem entfremdeten Ehemann Hank (gespielt von Noel Marshall), einem Wissenschaftler und ihren drei Kindern (darunter Melanie Griffith) im afrikanischen Dschungel lebt. „Abgesehen davon gab es nur eine minimale Handlung“, schreibt Dirks, „wobei die vielen Leoparden, Löwen, Tiger usw. die Besetzung ergänzten.“

Die Macher:innen des Films beschreiben ihn als „ein unvergessliches Erlebnis voller Liebe und Lachen. Aber Vorsicht: Wenn man mit einem Löwen einen Witz teilt, kann man sich leicht totlachen.“ Es sind Formulierungen wie diese, die nahelegen, dass Hedren, Marshall und Co. das furchtbare Ausmaß ihrer Entscheidungen lange nicht verstanden haben. 

Die heute 96-Jährige führte die Farm nach dem Ende der Dreharbeiten einige Jahre als Auffangstation für Tiere weiter, „die unter Vernachlässigung gelitten hatten“, um ihnen einen „Zufluchtsort“ zu bieten. Die tierischen Hauptdarsteller:innen von „Roar“ sind mittlerweile verstorben, doch Hedrens Leidenschaft für Raubkatzen lebte weiter.

Verwendete Quellen: roarthemovie.com, imdb.com, filmsite.org

Quelle: Gala