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Krisenvorsorge: So bereitet man sich richtig vor

Hannes Nagel Hannes Nagel 30. Oktober 2026 4 Min. Lesezeit 439 Aufrufe 0

Im August 2024 fiel in einem Industriegebiet bei Dortmund für fast 18 Stunden der Strom aus. Supermärkte konnten nicht kassieren, Zapfsäulen funktionierten nicht, Aufzüge standen still. Für die meisten Betroffenen war es lediglich unangenehm. Für ältere Menschen, Familien mit Kleinkindern oder Menschen mit medizinischen Geräten war es ein ernstes Problem. Das Szenario war kein Extremfall, sondern alltägliche Infrastrukturwirklichkeit.

Krisenvorsorge bedeutet nicht, sich einen Bunker zu bauen oder in Panik zu verfallen. Es geht darum, 72 Stunden ohne externe Hilfe auskommen zu können. Genau das empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) als Mindeststandard für jeden Haushalt in Deutschland. Doch laut einer BBK-Befragung aus 2023 haben weniger als 30 Prozent der Deutschen entsprechende Vorräte.

Warum 72 Stunden der Schlüssel sind

Drei Tage klingen zunächst willkürlich, haben aber einen konkreten Hintergrund. Rettungs- und Versorgungsdienste brauchen bei einem größeren Ereignis, etwa einem Hochwasser wie im Ahrtal 2021 oder einem großflächigen Stromausfall, in der Regel mindestens 48 bis 72 Stunden, bis Hilfe flächendeckend organisiert ist. Wer sich selbst versorgen kann, entlastet die Systeme und schützt sich gleichzeitig.

Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und einem Kind braucht für drei Tage grob folgendes:

  • Wasser: Mindestens 2 Liter pro Person und Tag, also 18 Liter gesamt
  • Lebensmittel: Konserven, Trockenfrüchte, Nüsse, Knäckebrot, Haferflocken
  • Medikamente: Persönlicher Bedarf plus Grundapotheke mit Schmerzmitteln, Verbandsmaterial, Fieberthermometer
  • Licht und Kommunikation: Batterieradio, Taschenlampe, Powerbank mit vollem Ladestand
  • Bargeld: Kartenzahlung funktioniert ohne Strom nicht, 200 Euro in kleinen Scheinen sind sinnvoll

Wasser: Der unterschätzte Engpass

Wasser ist das kritischste Gut überhaupt, wird aber am häufigsten vernachlässigt. Viele Menschen gehen davon aus, dass der Wasserhahn immer funktioniert. Tatsächlich sind Wasserwerke auf elektrische Pumpen angewiesen. Fällt der Strom aus und greifen keine Notstromaggregate, kann die Wasserversorgung innerhalb von Stunden zusammenbrechen.

Wer keinen Keller mit Platz für Wasserkanister hat, kann mit handelsüblichen 5- oder 10-Liter-Kanistern beginnen. Diese kosten unter einem Euro pro Liter und sind mehrere Jahre haltbar, wenn sie dunkel und kühl gelagert werden. Eine weitere Option: eine 100-Liter-Flasche im Schrank, die man einmal jährlich austauscht. Das ist keine Frage des Platzes, sondern der Priorität.

Was ein Blackout wirklich bedeutet

Ein kurzer Stromausfall von zwei Stunden ist nervig. Ein überregionaler Blackout, der mehrere Tage dauert, ist eine andere Kategorie. Heizungen fallen aus, selbst wenn sie mit Gas betrieben werden, weil Thermostate und Steuereinheiten Strom brauchen. Handynetze halten mit Notstrom meist nur 8 bis 12 Stunden durch. Kühlware im Kühlschrank verdirbt nach 4 Stunden, im Tiefkühler nach etwa 48 Stunden. Wer sich mit dem Thema ernsthaft beschäftigen will, findet unter dem Stichwort Blackout konkrete Szenarien und Checklisten, die helfen, den eigenen Vorbereitungsstand einzuschätzen.

Wichtig ist dabei: Panik ist kein guter Ratgeber. Wer seine Vorräte schrittweise aufbaut und regelmäßig rotiert, betreibt keine Paranoia, sondern vernünftiges Haushaltsmanagement. Man kauft ja auch Ersatzbirnen, bevor die letzte durchbrennt.

Lebensmittel sinnvoll lagern

Das häufigste Missverständnis bei der Vorratshaltung: Man denkt an spezielle Überlebenspakete aus dem Internet. Die sind in der Regel teuer und enthalten Produkte, die niemand freiwillig isst. Besser ist das Prinzip der rollierenden Bevorratung. Man kauft, was man ohnehin isst, in größerer Menge und verbraucht es im Alltag, während man nach und nach nachkauft.

Konkret eignen sich: Linsen, Bohnen, Kichererbsen aus der Dose, Nudeln, Reis, Haferflocken, Tomatenmark, Olivenöl, Nussmuss, Honig, Knäckebrot. Dazu Kaffee oder Tee, wenn man darauf angewiesen ist, morgens funktionsfähig zu sein. Wer einen Campingkocher mit einer Gasflasche besitzt, kann im Notfall zumindest kochen. Ein einfacher Schraubkocher kostet 15 Euro, eine Gaskartusche etwa 3 Euro.

Haltbarkeit im Überblick

Lebensmittel Mindesthaltbarkeit (ungeöffnet)
Reis, Nudeln 2 bis 5 Jahre
Konserven (Gemüse, Hülsenfrüchte) 2 bis 5 Jahre
Haferflocken 1 bis 2 Jahre
Knäckebrot 1 Jahr
Nüsse, Trockenfrüchte 6 bis 12 Monate

Dokumente, Medikamente, Kommunikation

Ein oft übersehener Teil der Krisenvorsorge: wichtige Dokumente. Personalausweis, Versicherungsunterlagen, Impfpass, Geburtsurkunden. Im Notfall, etwa bei einer Evakuierung, braucht man diese schnell. Eine wasserdichte Dokumentenmappe, die griffbereit liegt, reicht völlig aus. Zusätzlich empfiehlt sich ein USB-Stick mit digitalen Kopien, der zusammen mit der Powerbank aufbewahrt wird.

Menschen, die auf verschreibungspflichtige Medikamente angewiesen sind, sollten ihren Arzt direkt ansprechen. In vielen Fällen ist es möglich, einen Reservevorrat von 30 Tagen anzulegen. Das ist keine Horterei, sondern vernünftige Absicherung, zumal Lieferketten für Medikamente in den letzten Jahren mehrfach unter Druck geraten sind.

Für die Kommunikation gilt: Ein Batterieradio ist unverzichtbar. Es ist das einzige Medium, das ohne Internet, Handynetz oder Strom funktioniert und über das Behörden im Katastrophenfall Informationen verbreiten. Gerät und Batterien kosten zusammen unter 30 Euro und passen in jede Schublade.

Der erste Schritt zählt

Krisenvorsorge lässt sich nicht auf einen Schlag umsetzen. Wer damit beginnt, sollte sich ein realistisches Ziel setzen: In zwei Monaten will ich für 72 Stunden autark sein. Das ist machbar, ohne viel Geld auszugeben. 20 bis 30 Euro pro Monat reichen, um schrittweise einen soliden Grundstock aufzubauen.

Wer das geschafft hat, kann weitergehen: eine Woche Autonomie, dann zwei Wochen. Jeder Schritt verbessert die eigene Lage spürbar. Der Unterschied zwischen gut vorbereitet und unvorbereitet ist im Alltag kaum sichtbar. Im Ernstfall kann er entscheidend sein.