Hauseinsturz Görlitz

Ein Haus stürzt ein, drei Menschen werden vermisst. Für Angehörige und Helfer ist die Situation am Unglücksort belastend.

Auch am zweiten Tag nach dem dramatischen Hauseinsturz im sächsischen Görlitz waren Helfer auf der Suche nach drei Vermissten im Dauereinsatz. Die Arbeiten unter schwierigen Bedingungen kamen schon am Vormittag schneller voran. Immer wieder wurden große Teile des einstigen Gründerzeithauses aus den Trümmern gezogen. Doch bislang gibt es keine Hinweise auf die Vermissten.
Es ist ein Wettrennen gegen die Zeit. Die Einsatzkräfte gehen davon aus, dass Verschüttete bis zu 72 Stunden unter solchen Trümmern überleben könnten. Das Haus stürzte am Montagabend zusammen.
„Grundsätzlich gehen wir immer davon aus, dass – so lange, wie wir das Gegenteil nicht bewiesen haben – dass es noch Überlebende gibt“, sagte die Leiterin der Feuerwehr Görlitz, Anja Weigel. „Die Chancen sinken natürlich mit jeder Stunde.“ Sie betonte aber auch: „Aber wenn wir Glück haben, ist vielleicht eine Person in einem Hohlraum eingeschlossen. Vielleicht gibt’s ja ein Wunder.“ (Lesen Sie auch: Hauseinsturz Görlitz: Suche nach Vermissten geht Weiter)
Seelsorger sind ansprechbar
In Sichtweite des Unglücksortes stand ein Zelt, in das sich Angehörige zurückziehen konnten. Dort war auch ein Team aus drei Seelsorgern ansprechbar. Für die Angehörigen gebe es die Möglichkeit, auch woanders zu schlafen, sagte der Leiter der Notfallseelsorge des Landkreises Görlitz, Frank Hirschmann. „Aber sie wollen da sein und sehen, was geschieht. Und das kann man auch verstehen.“ Für sie sei das Warten und die damit verbunden Unsicherheit fast zum Zerreißen.
Bei den Vermissten handelt es sich um zwei rumänische Touristinnen im Alter von 25 und 26 Jahren und einen 48 Jahre alten Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit, der sich aus beruflichen Gründen in Görlitz aufgehalten hatte.
Einer der Angehörigen war ein Mann, dessen Verlobte und dessen Cousine in dem Haus waren, als es einstürzte. Die drei wollten in Görlitz Urlaub machen. Das Unglück geschah, als er beim Einkaufen war. (Lesen Sie auch: Lage noch unklar: Haus in Görlitz eingestürzt…)
Auch Anwohner waren immer wieder zu sehen. Mit großen Taschen und Koffern kamen sie aus den Nachbargebäuden, um ihre wichtigsten Habseligkeiten abzuholen. „Man ist ja nur indirekt betroffen“, sagt Christoph Wittig, einer von ihnen. „Aber es ist ja trotzdem ein Riesenschreck.“
Sie könnten bei Freunden übernachten, erzählt er. Trotz allem gehe der Alltag weiter. Deswegen wolle er Schulsachen und sein Fahrrad abholen. „Der Knall war enorm“, berichtete er von dem Unglück. Das Haus habe gewackelt. „Da wir gut versorgt sind und emotional aufgefangen, ist das jetzt ertragbar.“
Arbeit zwischen Staub und Trümmern

Die Arbeit an dem eingestürzten Haus in Görlitz und die Suche nach den drei Vermissten war für die Einsatzkräfte eine große Belastung. Es gebe viel Staub, die ganze Zeit müsse mit Schutzmasken gearbeitet werden, sagte der Sprecher der Einsatzleitung des Technischen Hilfswerks (THW), Daniel Hofmann. Und es sei eine sehr harte, anstrengende Arbeit. (Lesen Sie auch: Der Fall Fabian: So erlebt unser Reporter…)
„Wir haben ein Acht-Stunden-Schichtsystem, so dass wir permanent mindestens zwei Bergungsgruppen am Arbeiten haben, die acht Stunden arbeiten, dann abgelöst werden, in Ruhe gehen, 16 Stunden, dann wiederkommen“, erklärte Hofmann. „Das ist natürlich auch mental belastend.“
Von dem Haus sei nicht mehr viel zu erkennen. „Die Trümmer stapeln sich ungefähr bis zur zweiten Etage. Und es ist tatsächlich ein Schutthaufen, wie man ihn sich vorstellt auf einem großen Abriss“, sagte der THW-Sprecher. „Es ist damit vergleichbar, der Geruch ist vergleichbar.“
In der Nacht waren die Gasleitungen rund um die Unglücksstelle vollständig geleert worden. Dadurch sei die Explosionsgefahr geringer und die Arbeiten seien weniger gefährlich geworden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Suche war währenddessen aus Sicherheitsgründen unterbrochen worden. Trotz der geleerten Gasleitungen kann es der Sprecherin zufolge aber noch Hohlräume mit Gas geben – die Arbeit der Einsatzkräfte wurde dadurch noch schwieriger.
Ursprünglich berichtet von: Stern (Lesen Sie auch: Felix Bingui Prozess: Drogenboss in Marseille vor…)




