Der Brenner wird gesperrt, mitten in den Ferien: Was heißt das für Autofahrer? Gibt es Ausweichrouten? Wie geht man bei Verspätung mit Buchungen in Hotels um?
Die Sperre der Brennerautobahn in Tirol für eine Anwohner-Demonstration am Samstag, den 30. Mai, wird weitreichende Folgen für Autofahrer haben. Behörden, Polizei und ADAC rechnen an dem Wochenende mitten in den Pfingstferien mit massiven Verkehrsproblemen.
Wann ist mit Behinderungen zu rechnen?
Die eigentliche Sperre gilt am 30. Mai, von 11 bis 19 Uhr in beide Richtungen, für Lkw ab 9 Uhr. Der einfache, aber für manche Urlauber schwierig umzusetzende Rat von Behörden und ADAC: Mindestens an diesem Tag, besser am ganzen Wochenende nicht mit dem Auto Richtung Süden reisen oder von dort heimfahren. Laut Polizei wird es viel Verkehr auch an den Tagen vor und nach dem 30. Mai geben.
Laut Autobahn GmbH des Bundes plant Tirol am Samstag bei Überfüllung des Straßennetzes im Raum Innsbruck Eskalationsstufen. Dann könnten an Grenzübergängen nach Tirol der Verkehr dosiert oder die Übergänge ganz gesperrt werden. Also: vielleicht keine Einreise möglich. Aus Tirol hieß es dazu, mit einer Dosierung sei nur bei extremen Verkehrsbehinderungen zu rechnen, die die Versorgungssicherheit gefährdeten.
Gibt es Alternativrouten?
Experten raten ab. Neben der Sperre der Brennerautobahn werden auch die Brennerstraße B182 und andere Straßen für den Durchgangsverkehr gesperrt. Wer dort kleinere Straßen nutzen will, muss nachweisen, dort ein Ziel zu haben.
Wenn überhaupt, dann müsste großräumig ab Rosenheim oder dem Inntaldreieck umfahren werden. Als theoretische Alternativen gelten etwa die Gotthard- oder San-Bernardino-Route in der Schweiz, der Reschenpass, die Felbertauernstraße oder die Pyhrnautobahn. Allerdings warnen ADAC und Tirol auch dort vor Überlastung. Die Tauernautobahn A10 gilt nur eingeschränkt als Alternative, zudem sind dort Abfahrtsverbote angekündigt. Für Timmelsjoch oder Stallersattel raten Experten von Ausweichverkehr ab.
Weshalb wird der Brenner gesperrt?
Grund ist eine Anwohner-Demonstration aus Protest gegen die seit Jahren wachsende Verkehrsflut. Ein Gericht hat nun erstmals eine Demonstration direkt auf der Autobahn genehmigt. Initiiert hat die Aktion der Bürgermeister der 1400-Seelen-Gemeinde Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger – und sorgt damit für internationale Aufmerksamkeit.
Sind Ausflüge in den Süden Bayerns und in die Berge möglich?
Mit dem Auto: besser nicht. Auf den Autobahnen südlich von München sei mit stehendem Verkehr zu rechnen, erläutert die Autobahn GmbH des Bundes. Auch andere Straßen werden wohl betroffen sein: „Regionale Fahrten südlich von München und Memmingen in Richtung Alpen sollten an diesem Tag nach Möglichkeit vermieden werden.“
Nach Einschätzung der Polizei können sich Staus weit vor den Grenzübergängen bilden. Das Landratsamt Rosenheim warnt vor Rückstaus auf der A8 und der Inntalautobahn A93. Betroffen sein dürften auch die A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen mit Weiterreise über den Fernpass sowie die A7 Richtung Füssen und Tirol.
Wie will Rosenheim Betroffenen helfen?
Das Landratsamt Rosenheim aktiviert vorsorglich einen „Katastrophenschutzsonderplan Autobahn“. Dieser greift, wenn ein längerer Stillstand auf den Autobahnen droht. Am Samstag werde ab 7 Uhr eine Koordinierungsgruppe im Lagezentrum besetzt. Dort sollen Verkehrslage und mögliche Entwicklungen fortlaufend beobachtet werden. Aufgabe der Gruppe sei es, Hilfe- und Versorgungsmaßnahmen zu organisieren und sicherzustellen, dass Rettungs- und Einsatzkräfte handlungsfähig blieben.
Sind auch Bahnstrecken betroffen – lohnt ein Umstieg?
Für den Bahnverkehr über den Brenner sind bisher keine Einschränkungen angekündigt. Mehrere Informationsseiten und Verkehrsverbände empfehlen daher die Bahn als Alternative zum Auto. Die Züge zwischen Deutschland und Italien sollen regulär fahren, empfohlen wird aber eine Sitzplatzreservierung.
Wie regeln Hotels verspätete Anreise oder gar Absage?
Allgemeine Sonderregelungen gibt es nicht. „Unser Rat lautet: frühzeitig handeln, direkt beim Hotel melden und nicht einfach fernbleiben. Eine allgemeine Kulanzregel können wir nicht aussprechen, weil jede Buchung unterschiedlichen Bedingungen unterliegt“, erläutert Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer DEHOGA Bayern. „Viele Gastgeberinnen und Gastgeber werden aber bemüht sein, gemeinsam mit ihren Gästen eine faire Lösung zu finden.“ Rechtlich komme es darauf an, in wessen Risikobereich der Grund für eine nicht in Anspruch genommene Buchung fällt. Bei Verkehrsproblemen seitens des Gastes hafte der Hotelbetrieb in der Regel nicht.
Wie bereitet man sich vor, wenn man unbedingt fahren muss?
Autofahrer sollten ausreichende Getränke und Proviant mitnehmen und den Wagen volltanken, raten Autobahn GmbH des Bundes und ADAC. Wer im Stau landet, dem riet der Stauforscher Michael Schreckenberg im Bayerischen Rundfunk: nicht ständig beschleunigen, nicht abrupt bremsen und nicht dicht auffahren. Daraus nämlich entstünden die Stauwellen, die sich nach hinten durchziehen. „Ganz locker im Fahrersitz bleiben und einfach mitrollen – so schnell wie der Vordermann“, mahnt Schreckenberg.
Wie geht die Polizei mit Stau-Umfahrungen in Südbayern um?
Schleichwege über Landstraßen und Dörfer sind nicht ratsam. In Teilen Oberbayerns und Tirols gelten Abfahrts- und Durchfahrtsverbote, um Anwohner zu schützen. Es drohen Verwarngelder.
Die Abfahrtsverbote in mehreren Landkreisen Südbayerns bei Stau auf der Autobahn gelten auch am Samstag. Für die besondere Lage kündigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd ein Vorgehen mit Augenmaß an. Entscheidungen würden „im Rahmen der Verhältnismäßigkeit“ getroffen, hieß es. Ziel sei es, Gefahren- und Notsituationen zu vermeiden und die Handlungsfähigkeit von Rettungs- und Einsatzkräften sicherzustellen.
