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    Lady Gaga: Mother Monster wird 40

    Mit ihren „Little Monsters“ machte Lady Gaga Anderssein zur Stärke und Pop zur radikalen Form der Selbstermächtigung. Heute wird sie 40.

    Am Anfang ist da Blut. Als Lady Gaga erstmals bei den MTV Video Music Awards singt, färbt sich plötzlich ihre Brust rot, dann ergießt sich die Flüssigkeit über ihren Bauch, fließt ihre Beine entlang. Zum Schluss stirbt sie, blutüberströmt und hängend an einem Kronleuchter, während das Publikum jubelt.

    So lernte die Welt Lady Gaga kennen, als sie 2009 ihren Hit „Paparazzi“ vor einem Millionenpublikum performte. Siebzehn Jahre später, am 28. März 2026, wird diese Frau 40. Aus dem blutüberströmten Monster ist eine Übermutter geworden – für eine Generation von Fans, die mit ihr erwachsen wurde.

    Stefani Joanne Angelina Germanotta kommt 1986 in New York zur Welt, Tochter italischer Einwanderer. Etwa 2006/2007 erfindet sie Lady Gaga, benannt nach Queens „Radio Ga Ga“. Frühe Bar-Auftritte, ein gescheiterter Plattenvertrag, dann der Durchbruch. Mit „The Fame“ (2008) und „The Fame Monster“ (2009) explodiert sie: „Poker Face“, „Bad Romance“ erobern Charts, füllen Stadien, räumen Grammys ab.

    Heute ist Gaga mehr als Pop: Sie gewann den Oscar für „Shallow“ aus „A Star Is Born“, sang Jazz-Duette mit Tony Bennett, spielte Rollen in „House of Gucci“ und „Joker: Folie à Deux“, vertreibt die Beauty-Linie Haus Labs, eroberte die Chartspitzen mit fast allen ihren Alben, zuletzt „Mayhem“, brach Streaming-Rekorde, erhielt 16 Grammys und wurde mehrfach in die Rock and Roll Hall of Fame nominiert. Vor allem aber ist Gaga eine Kunstfigur, wie es sie heute nicht mehr oft gibt.

    Ein Herz für Monster

    Durch ihre Kunst zieht sich ein roter Faden: Gaga erhebt das Abweichende, Außergewöhnliche, manchmal auch als hässlich Empfundene zu einer Besonderheit. Schmerz und Behinderung werden bei ihr zur glitzernden Superkraft: Bei der Mayhem Ball Tour 2025 tanzt sie mit spiegelverzierten Krücken. Oft holt sie Rollstuhl-Tänzerinnen auf die Bühne. Und ihre zuckenden, stockenden Choreos sehen immer mehr nach Zombies und Monstern aus als nach anmutigem Popstar-Gehopse.

    Gaga ist eine Patronin für Außenseiter, ihre Fangemeinde sind die „Little Monsters“. Ob im Fleischkleid bei den VMAs, in einer Eierschale bei den Grammy Awards oder als männliches Alter Ego Jo Calderone, als das sie zu den VMAs 2011 erschien – Gagas Auftritte sind immer auch Performance-Kunst. Nicht zu vergessen, dass auch ihre „normalen“ Styles dermaßen aus dem Rahmen fallen, dass sie Türen öffnen für alle außerhalb des Norm-Kanons.

    Die Maske fällt

    Die Maske fallen ließ sie nur einmal, am Set ihrer ersten Hauptrolle. In der Rolle der Ally in „A Star Is Born“ performte Authentizität und holte den Oscar. Vor ihrem Screen-Test wischte ihr Regisseur Bradley Cooper, 51, persönlich das Make-up vom Gesicht, um die „echte“ Stefani Germanotta zu sehen. Doch ist diese ungeschminkte Haut wirklich sie? In der Late-Night-Show bei Stephen Colbert betonte sie, dass man das nicht verwechseln dürfe: Dieses natürliche Gesicht sei nicht sie, sondern verkörpere nur die verletzliche Ally.

    Die echte, ungeschminkte Gaga kennen mit Sicherheit nicht viele Menschen – er aber schon: Michael Polansky, ihr Verlobter seit 2025, der als Tech-Milliardär eine der wenigen Konstanten in ihrem Leben ist. In einem „Vogue“-Interview (2024) beschrieb sie ihn als den „fehlenden Teil“ ihres Lebens: „Er ist nicht mit mir aus irgendeinem anderen Grund zusammen – wir passen einfach zueinander. Eine Person, die an dich glaubt, kann alles verändern.“

    Quelle: Gala