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  • Muriel Baumeister : Zwischen Sucht und Krebs – ihr gnadenloser Kampf ums Überleben

    Muriel Baumeister : Zwischen Sucht und Krebs – ihr gnadenloser Kampf ums Überleben

    Muriel Alkoholsucht„>Baumeister spricht so offen wie nie über die schwersten Kapitel ihres Lebens – ihre Alkoholsucht, die erschütternde Krebsdiagnose und eine Therapie, die sie an ihre Grenzen brachte.

     

    Im Sommer 2022 änderte sich für Schauspielerin Muriel Baumeister, 54, bekannt aus „Der Landarzt“, alles – und das völlig unerwartet. Der Moment, der ihr Leben auf den Kopf stellte, kam in einer ganz alltäglichen Situation: in der Badewanne. „Ich habe es selber festgestellt. Ich lag in der Badewanne, wusch mich und dachte: Häh, komisch… Es blieb die Zeit stehen, es war wie in einem schlechten Film“, erinnert sich die 54-Jährige rückblickend im Gespräch mit dem Talkformat „Wendepunkte“ des Potsdamer Selbsthilfevereins SEKIZ e.V..

    Der Moment, der Muriel Baumeisters Leben veränderte

    Was sie ertastete, war ein Knoten, „direkt unter der linken Achselhöhle“. Kurz darauf folgte die erschütternde Diagnose: Brustkrebs. Der Tumor war bereits sechs Zentimeter groß. „Der Arzt sagte: ‚Um Gottes Willen! Das sieht nicht gut aus!’“, berichtet Baumeister. Es begann eine Zeit, die sie selbst als die härteste ihres Lebens beschreibt. Eine Therapie ohne Ausweichmöglichkeiten: Chemotherapie, Antikörperbehandlung, Operation und Bestrahlung. „Das volle Programm. Das wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht“, sagt sie schonungslos ehrlich.

    Die härtestes Zeit ihres Lebens

    Besonders die Chemotherapie setzte ihr extrem zu, mehr noch als ihr früherer Alkoholentzug. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, weiß ich nicht, ob ich die Chemo gemacht hätte“, gesteht sie. Die Nebenwirkungen waren brutal: „Meine Kehle war blutig wie ein Filetsteak. Ich konnte weder Wasser trinken noch essen. Es war grausig.“ Und doch kämpfte sie sich zurück. Für ihre drei Kinder Linus, 31, Frieda, 19, und Ava, 11, und für sich selbst. Heute kann sie mit vorsichtigem Optimismus nach vorn blicken: „Ich bin jetzt zwei Jahre krebsfrei.“

    Muriel Baumeister mit Tochter Ava
    © instagram.com/muriel__baumeister

    Doch die Angst vor einem Rückfall bleibt – sowohl vor der Krankheit als auch vor einem erneuten Absturz in ihre jahrelange Alkoholsucht. Im Talkformat „Wendepunkte“ des Potsdamer Selbsthilfevereins SEKIZ e.V. hat die 54-Jährige offen über ihre Alkoholabhängigkeit gesprochen und über den langen, beschwerlichen Weg zurück ins Leben. Seit fast zehn Jahren ist sie nach eigenen Angaben trocken.

    Die Alkoholsucht kam schleichend

    Der Beginn war kein abrupter Absturz, sondern ein schleichendes Gleiten. „Wir haben ja alle getrunken“, beschreibt Baumeister den leichtfertigen gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol. Was als gelegentliches Trinken begann, entwickelte sich über Jahre zu einer manifesten Abhängigkeit. Eine pränatale Depression im Jahr 2014 habe die Sucht noch einmal deutlich verstärkt, schildert sie in dem Gespräch.

    Einen entscheidenden Impuls für die Bewusstwerdung ihres Problems setzte ihre beste Freundin. Die Ärztin machte Baumeister gegenüber unmissverständlich klar, dass sie die Situation nicht länger hinnehmen werde: „Ich gucke mir das nicht mehr an.“ Auch der Körper hatte längst Alarm geschlagen. Eine chronische Magenschleimhautentzündung begleitete sie dauerhaft und dennoch gelang es ihr nicht, den Konsum einzuschränken.

    Normalzustand 1,4 Promille

    Was die Sucht schließlich in die Öffentlichkeit brachte, war ein Vorfall im Oktober 2016. Baumeister wurde mit einem Blutalkoholwert von 1,4 Promille am Steuer kontrolliert, nachdem sie beim Einparken eine Leitplanke gestreift hatte. Eine ihrer Töchter saß im Fahrzeug. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen.

    Besonders erschreckend empfand Baumeister den Fakt, dass ihr ihr Zustand gar nicht weiter aufgefallen war: „Ich habe mich normal gefühlt und das war eigentlich das Schlimme an der Sache. Die Kommissarin hat gesagt, wenn sie es nicht gerochen hätte, hätte sie es gar nicht gemerkt.“

    Zwei stationäre Aufenthalte, doch erst der dritte Versuch hielt

    Was folgte, waren zwei stationäre Aufenthalte in verschiedenen Einrichtungen, ohne dauerhaften Erfolg. Als zentrales Hindernis benennt Baumeister die damals noch bestehende Hoffnung auf kontrollierten Konsum: „Das ist der Traum eines jeden Alkoholikers. Und erst wenn du begriffen hast, dass das nicht geht, dann bist du auf dem Weg der Besserung.“

    Im Oktober 2017 ließ sie sich schließlich in die geschlossene psychiatrische Abteilung der Berliner Charité einweisen: „Das war mein dritter Versuch und das war der, der geklappt hat, weil das so schrecklich war, da wollte ich nie wieder hin.“

    Die Konsequenz? Kein Alkohol im Haushalt

    Seitdem strukturiert Baumeister ihr Leben bewusst um die Abstinenz herum. Im ersten Jahr bat sie ihr soziales Umfeld, in ihrer Gegenwart keinen Alkohol zu trinken. Bis heute wird in ihrem Haushalt kein Alkohol gelagert. Und die Gefährdung? Die ist nie ganz weg: „Es gibt jeden Tag einen Moment, wo es kippen könnte“, erklärt Baumeister anhand von Situationen wie einem Restaurantbesuch oder ähnliches. „Es ist nur eine Bestellung, das würde kein Mensch merken. […] Aber es ist einfach keine Option.“

    Besonders deutliche Worte findet Baumeister für den Doppelstandard, mit dem Suchterkrankungen in der Unterhaltungsbranche je nach Geschlecht bewertet werden. Männer könnten sich „zu Tode saufen“, danach einen Korb flechten und seien wieder rehabilitiert. Für sie als Frau in der Branche sei der Vorfall hingegen ein klares „No-Go“ gewesen.

    Verwendete Quelle: Talkformat „Wendepunkte“ des Potsdamer Selbsthilfevereins SEKIZ e.V., abrufbar auf YouTube

    Quelle: Gala

  • Muriel Baumeister Alkohol: Offene Worte über Ihr Leben mit Sucht

    Muriel Baumeister Alkohol: Offene Worte über Ihr Leben mit Sucht

    Muriel Baumeister Alkohol: Die deutsche Schauspielerin Muriel Baumeister, bekannt aus zahlreichen Fernsehproduktionen, hat öffentlich über ihre langjährige Alkoholsucht und ihre Erfahrungen mit insgesamt drei Entzugstherapien gesprochen. Sie schildert offen die Herausforderungen und Rückschläge im Kampf gegen die Abhängigkeit.

    Symbolbild zum Thema Muriel Baumeister Alkohol
    Symbolbild: Muriel Baumeister Alkohol (Bild: Picsum)

    Zusammenfassung

    • Muriel Baumeister spricht offen über ihre Alkoholsucht.
    • Sie hat bereits drei Entzüge hinter sich.
    • Die Schauspielerin schildert ihren Kampf gegen die Sucht.

    Ein Leben im Zeichen der Sucht

    Muriel Baumeister, eine bekannte Persönlichkeit des deutschen Fernsehens, hat sich dazu entschlossen, ihre Alkoholsucht öffentlich zu thematisieren. Laut Bild, spricht sie offen über die Tiefen ihrer Abhängigkeit und die damit verbundenen Herausforderungen.

    Die Schauspielerin, die in zahlreichen Fernsehfilmen und -serien mitwirkte, darunter „Der Landarzt“ und „Soko Stuttgart“, gibt Einblicke in ein Leben, das von Alkohol geprägt war. Sie berichtet von den Schwierigkeiten, die mit dem Versuch einhergehen, die Sucht zu überwinden. (Lesen Sie auch: Prinzessin Kate Alkohol: Darum Verzichtet Sie Jetzt…)

    Drei Entzüge – ein Weg zur Besserung?

    Muriel Baumeister hat bereits drei Entzugstherapien absolviert. Diese Behandlungen stellen wichtige Schritte auf ihrem Weg zur Genesung dar. Sie zeigen auch den wiederholten Versuch, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen.

    Die Schauspielerin gibt zu verstehen, dass ein Entzug allein nicht ausreicht, um die Alkoholsucht zu besiegen. Es sei ein langer und kontinuierlicher Prozess, der viel Kraft und Ausdauer erfordert. Rückschläge seien dabei nicht ausgeschlossen.

    Was sind die Ursachen für Alkoholsucht?

    Alkoholsucht, auch Alkoholabhängigkeit genannt, ist eine komplexe Erkrankung, die durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehören genetische Veranlagung, psychische Probleme wie Depressionen oder Angststörungen, soziale Einflüsse und traumatische Erlebnisse. Der regelmäßige Konsum von Alkohol kann im Laufe der Zeit zu einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit führen. (Lesen Sie auch: Seit über 40 Jahren zusammen – Ricky…)

    📌 Hintergrund

    Alkoholismus ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Es ist wichtig, offen darüber zu sprechen und Betroffenen Hilfe anzubieten. Es gibt zahlreiche Beratungsstellen und Therapieangebote, die Unterstützung bieten können.

    Öffentlichkeit und Verantwortung

    Indem Muriel Baumeister ihre Geschichte öffentlich macht, trägt sie dazu bei, das Thema Alkoholsucht zu entstigmatisieren. Sie möchte andere Betroffene ermutigen, sich Hilfe zu suchen und offen über ihre Probleme zu sprechen.

    Ihr Schritt ist ein Zeichen von Mut und Verantwortung. Er zeigt, dass auch Menschen in der Öffentlichkeit von Suchterkrankungen betroffen sein können und dass es wichtig ist, darüber zu sprechen, um anderen zu helfen und sich selbst zu heilen. (Lesen Sie auch: Sängerin im Steckbrief – Was macht Nadja…)

    Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bietet umfassende Informationen und Beratungsangebote zum Thema Sucht.

    Detailansicht: Muriel Baumeister Alkohol
    Symbolbild: Muriel Baumeister Alkohol (Bild: Picsum)

    Häufig gestellte Fragen

    Wie viele Menschen sind in Deutschland von Alkoholsucht betroffen?

    Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sind in Deutschland schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen alkoholabhängig. Zusätzlich gibt es eine Dunkelziffer von nicht erfassten Fällen, sodass die tatsächliche Zahl höher liegen dürfte.

    Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Alkoholsucht?

    Es gibt verschiedene Therapieansätze, darunter stationäre und ambulante Entzugstherapien, Verhaltenstherapien, Selbsthilfegruppen und medikamentöse Unterstützung. Die Wahl der Therapie hängt von der individuellen Situation und dem Schweregrad der Abhängigkeit ab. (Lesen Sie auch: Vanessa Borck: So Erobert die Influencerin Jetzt…)

    Wo können Betroffene und Angehörige Hilfe finden?

    Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, darunter Suchtberatungsstellen, Selbsthilfegruppen, psychologische Beratungsstellen und Kliniken. Auch Hausärzte können erste Ansprechpartner sein und an spezialisierte Einrichtungen verweisen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet ebenfalls Informationen.

    Welche Rolle spielen Angehörige bei der Bewältigung der Alkoholsucht?

    Angehörige können eine wichtige Stütze sein, indem sie Unterstützung anbieten, zu einer Therapie motivieren und ein stabiles Umfeld schaffen. Es ist jedoch auch wichtig, dass Angehörige auf ihre eigene Gesundheit achten und sich gegebenenfalls selbst professionelle Hilfe suchen.

    Illustration zu Muriel Baumeister Alkohol
    Symbolbild: Muriel Baumeister Alkohol (Bild: Picsum)
  • Henning Wehland: Diese Dinge lernte er durch seine Therapie

    Henning Wehland: Diese Dinge lernte er durch seine Therapie

    Am 6. März veröffentlicht H-Blockx ihr neues Album. Im Interview spricht Henning Wehland auch über seine überwundende Alkoholsucht.

    Mit ihrem Debütalbum „Time to Move“ landeten H-Blockx Anfang der 1990er einen echten Hit. Die Platte katapultierte die Münsteraner Crossover-Band über Nacht ins Rampenlicht. Mit energiegeladenen Tracks wie „Risin‘ High“ und „Move“ brachten sie die Festivalbühnen zum Beben. 2024 feierten sie ihr 30-jähriges Jubiläum mit einer restlos ausverkauften Tour und meldeten sich kurz darauf mit dem Song „Fallout“zurück – ihrer ersten neuen Single seit zwölf Jahren. Nun steht am 6. März das achte Studioalbum „Fillin The Blank“ in den Startlöchern. 14 Jahre nach ihrer letzten LP knüpft die Band damit klanglich an die Wurzeln ihres Erfolgs an.

    Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht Henning Wehland, 54, der Sänger und Frontmann der Band, unter anderem über die persönliche Verbindung zu dem Song „Lights Out“, der seine Alkoholkrankheit thematisiert und darüber, welche Bedeutung das Werk für die Band hat.

    14 Jahre nach eurer letzten LP erscheint nun am 6. März euer neues Album „Fillin the Blank“. Steckt hinter dem Titel eine besondere Bedeutung?

    Henning Wehland: Es ist nicht so, dass wir jetzt eine große Botschaft übermitteln wollen. „Fillin the Blank“ ist vielmehr eine Art Zusammenfassung dessen, was diese Platte und der Weg dorthin für uns bedeuten. Als wir den Titel fanden, gab es eigentlich noch gar keine Idee für ein neues Album. Keine Songs, keine Songtitel, nichts. Ursprünglich war es nur der Name für eine Tour, die wir spielen wollten. Und dann stand die große Frage im Raum: Gibt es überhaupt neue Songs? Einen? Zehn? Zwölf? Können wir daraus ein Album machen? Irgendwann haben wir beschlossen: Wir müssen einfach anfangen, sonst finden wir es nie heraus. Das Ganze entstand 2024, während der Jubiläumstour. Wir saßen im Bus und überlegten, wie wir das Ganze nennen könnten. Der Titel musste auf jeden Fall catchy sein.

    Ich hab dann an früher gedacht – in der Schule gab’s ja diese Sprachlabore. Ich weiß gar nicht, ob es die heute noch gibt. Da saß man mit der gesamten Klasse wie in einem kleinen Studio, mit Kopfhörern auf, und plötzlich hieß es: „Listen and fill in the blanks“. Das hat bei mir irgendwie Klick gemacht. Weil es bei uns so viele offene Fragen gab, war der Satz plötzlich ein Symbol dafür: Lasst uns anfangen, diese Lücken zu füllen. Und genau das haben wir dann getan.

    Der Opener „Straight Out of Nowhere“ erinnert an „Move“ von eurem Debütalbum. Ihr habt gesagt, ihr fühlt euch endlich wieder wie in euren Anfangstagen. War es also euer Ziel, mit dem neuen Album bewusst an den Sound eurer ersten Platte anzuknüpfen?

    Henning Wehland: Ja, genau. „Time to Move“ war für uns irgendwie Fluch und Segen zugleich. Ich würde natürlich nichts daran ändern wollen, aber für eine junge Band war das damals schon eine riesige Herausforderung. Wir waren Anfang 20 und plötzlich schießt dieses Debüt einfach so in den Orbit. Wir hatten ja keinerlei Erfahrung, weder mit dem Musikbusiness noch mit Labels, und auch noch gar keinen richtigen Weg gefunden, unseren Sound öffentlich zu definieren. Vieles ist damals einfach aus dem Bauch heraus entstanden. Dieser typische „Time to Move“-Sound war letztlich ein Zufallsprodukt – auch, weil wir gar keine anderen Möglichkeiten hatten. Wir waren eine Band, die direkt aus dem Proberaum kam, sich ins Studio gestellt hat und dann hieß es: „Spielt mal, was ihr habt.“ Da gab’s kein großes Sounddesign, keine ausgefeilte Produktion.

    Unser Drummer, der ja auch Produzent der neuen Platte ist, hat sich „Time to Move“ vor Kurzem noch einmal komplett angehört. Und obwohl er nie der größte Fan der ersten Stunde war, meinte er plötzlich: „Da ist irgendwas drauf, was wir damals – vielleicht auch nur zufällig – richtig gemacht haben.“ Wir haben irgendwann gesagt: Lass uns genau das, was das Album damals so besonders gemacht hat, als Leitfaden nehmen und mit diesem Gefühl an die neuen Songs herangehen. Wir haben uns also ganz bewusst ein Stück weit limitiert, immer mit dem Gedanken: Wie hat sich das damals angefühlt? Natürlich haben wir das nicht konsequent bis zum Ende durchgezogen. Aber immer dann, wenn wir an einem Punkt standen, an dem verschiedene Richtungen möglich waren, haben wir uns gefragt: Wie hätten wir das 1993 oder 1994 gemacht, als das Debüt entstanden ist? Und das war im Nachhinein die beste Entscheidung. Dadurch hat sich die Band wieder zusammengerauft. Es ging plötzlich nicht mehr um Einzelinteressen, wie das in den letzten 20 Jahren oft der Fall war, sondern wirklich um das gemeinsame Verständnis dessen, was die DNA von H-Blockx eigentlich ausmacht. Und genau dieser Punkt hat uns lange gefehlt – jetzt ist er wieder da.

    Mit „Lights Out“ gibt es einen Song, der sehr persönlich ist und Ihre eigene Erfahrung mit Alkoholismus aufgreift. Trotz des ernsten Themas sprüht der Song voller Energie.

    Henning Wehland: Bei „Lights Out“ ist es tatsächlich so: Ich habe die letzten 10, 15 Jahre mit einer Suchtproblematik gekämpft. Ich bin Alkoholiker und seit vier Jahren trocken. Diese Zeile „I’m only happy with the lights out“ ist für mich eine Metapher für Scham: die Angst, mein wahres Ich zu zeigen. Mein Leben war lange davon geprägt, dass ich nur eine kontrollierte Version von mir nach außen getragen habe – die, die mich nicht verletzlich macht. Dabei habe ich weder meine Schwächen noch meine Stärken wirklich angenommen. Heute weiß ich: Meine Stärken kann ich ruhig zur Schau stellen, damit komme ich klar. Das kann mir nicht zum Verhängnis werden. Erst durch die Therapie habe ich gemerkt, dass Scham und Schuld bei mir ein Riesenthema sind. Und genau das habe ich in dieser Zeile ausgedrückt.

    Es fängt ja schon in der ersten Strophe an: „Knock knock as I welcome y’all to my house. Thank god I was just about to pass out, 20 million empty bottles cover my grounds“. Das Bild hatte ich ständig vor Augen – wenn es an der Tür klingelte und überall Flaschen rumstanden, dachte ich: Oh Gott, bloß nicht, dass das jemand sieht. Aber ich habe bewusst die Tür aufgemacht und mit den wichtigsten Personen darüber gesprochen: Erst mit meiner Frau und meinen Freunden. Ich habe diese Geschichten verarbeitet, eingeordnet und verpackt. Durch „Lights Out“ sind sie zu einem Teil von mir geworden, den ich zeigen kann. Es ist eine Geschichte mit Anfang und Ende. Deshalb fällt es mir heute auch leicht, darüber zu reden.

    Die Band steht nun seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne. Gibt es einen Moment in Ihrer Karriere, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

    Henning Wehland: Ja, da gibt es natürlich viele erinnerungswürdige Momente. Einer, der mir besonders im Kopf geblieben ist, war, als ich bei den MTV European Music Awards backstage mit Bono, The Edge und Mick Hucknall von Simply Red Billard spielte – und plötzlich kam Kylie Minogue herein und gab mir einen Kuss auf den Mund.

    Wirklich prägend war für mich aber „Rock am Ring“ 2010 – für mich das perfekte Konzert. Unser erstes Mal dort, im Jahr 1995, konnte ich kaum verarbeiten, weil alles so schnell ging. Man startet in einem kleinen Proberaum im Jugendzentrum und plötzlich steht man auf einer riesigen Bühne vor Tausenden von Menschen und fragt sich: „Was passiert hier eigentlich?“ Nach diesem ersten Auftritt bin ich backstage zusammengebrochen und habe hemmungslos geweint, weil ich einfach überwältigt von allem war. 2010 war es anders: Wir waren entspannter, hatten Erfahrung und wurden sogar von Kiss eingeladen, im Vorprogramm zu spielen. Das war zunächst einmal eine große Ehre und dazu ein unglaublicher Moment. Wir spielten buchstäblich in den Sonnenuntergang hinein. Auf dem Programm standen an diesem Abend nur Kiss und die H-Blockx, und das Wetter war perfekt – was in der Eifel ja keine Selbstverständlichkeit ist.

    Unser Auftritt war für 20 Uhr geplant, und ich war fest überzeugt, dass kaum jemand vor der Bühne stehen würde. Schließlich wollten alle Kiss sehen. Doch dann schaute ich auf einen Monitor in unserem Backstage-Bereich – wir teilten uns die Kabine mit einer anderen großen Band, ich glaube Metallica oder den Red Hot Chili Peppers, die erst am nächsten Tag anreisen sollten. Auf dem Bildschirm sah ich plötzlich Menschenmassen, die in Richtung Gelände strömten. Ich fragte ungläubig: „Was ist das denn?“ Und jemand antwortete: „Das sind die, die zu eurer Show wollen.“ Als wir dann auf der Bühne waren, war alles perfekt – ein Meer aus Fans, der Himmel strahlend blau, die Sonne ging langsam unter. Dieses Konzert war für mich legendär.

    Quelle: Gala