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  • Guido Westerwelle: Der Kampf, den er nicht gewinnen konnte

    Guido Westerwelle: Der Kampf, den er nicht gewinnen konnte

    Guido Westerwelle war einer der markantesten deutschen Politiker seiner Zeit. Vor zehn Jahren verlor er den Kampf gegen die Leukämie.

    Guido Westerwelle (1961-2016) war einer der markantesten Politiker seiner Zeit. Ein „Treiber und Übertreiber“, fand einmal der „Deutschlandfunk„. Dass dieser so robuste Mann plötzlich um sein Leben kämpfen musste – und diesen Kampf verlor – bewegte viele Menschen. Der frühere FDP-Chef und deutsche Außenminister starb 2016 mit nur 54 Jahren an Leukämie. Am 18. März jährt sich sein Todestag bereits zum zehnten Mal.

    Ein anderer Blick auf Westerwelle

    Die 90-minütige ARD-Dokumentation „Westerwelle“ zeigt den Politiker und den Menschen hinter der öffentlichen Fassade. Weggefährten, sein Biograf und vor allem sein Witwer Michael Mronz sprechen über Seiten Westerwelles, die der Öffentlichkeit weitgehend verborgen blieben. „Man hört aus dem Off einen Mann, der mit dem Bild, das er durch seine öffentlichen Auftritte geschaffen hat, nicht mehr viel gemein hat“, das sei „auf eine unverstellte Weise berührend“, urteilt die Agentur „Evangelischer Pressedienst“ (EPD).

    Westerwelle habe mit forschen Sprüchen agiert, so „EPD“, und unerschrocken nahe an der Lächerlichkeit, etwa als er im Bundestagswahlkampf 2002 in ein Superman-Kostüm mit aufgepumpten Muskeln schlüpfte und in einem Kleinbus, genannt „Guidomobil“, durchs das Land tourte.

    Vom „Jungspund“ zum Staatsmann

    FDP-Vize Wolfgang Kubicki, 74, erinnert sich in der Doku schmunzelnd an seine erste Begegnung mit dem jungen Westerwelle: „Was für ein Naseweis! Was für ein aufgeblasener Wichtigtuer!“ Das war in den 1980er-Jahren, als Westerwelle der Partei mit den Jungen Liberalen eine neue Jugendorganisation vorsetzte. Der talentierte junge Mann aus Bad Honnef bei Bonn fiel FDP-Legende Hans-Dietrich Genscher (1927-2016) auf und er förderte den jungen promovierten Rechtsanwalt.

    Westerwelle machte rasch Karriere: 1983 Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, 1988 Mitglied des FDP-Bundesvorstands, 1994 Generalsekretär, 2001 bis 2011 Bundesvorsitzender. Unter seiner Führung erzielte die FDP 2009 mit 14,56 Prozent ihr bestes Bundestagswahlergebnis. Die Partei wurde Teil der schwarz-gelben Koalition, Westerwelle Außenminister und Vizekanzler unter Angela Merkel, 71, – bis 2013, als die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte.

    Popstar der Politik

    Westerwelle hatte seine Popularität als „eine Art Popstar der Politik“ („Der Spiegel“) mit ungewöhnlichen Mitteln erkämpft. Er trat als erster Spitzenpolitiker im Jahr 2000 im „Big Brother“-Container auf und formulierte Wahlkampfsprüche wie: „Willst du fit sein auf die Schnelle, komm zu Guido Westerwelle!“ oder „Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt’s einen, der die Sache regelt – und das bin ich!“ Doch hinter dem „rhetorisch grandiosen Propagandisten der Freiheit“ („Süddeutsche Zeitung“) steckte ein sensibler, loyaler und kluger Mensch mit feinem politischem Instinkt, wie Weggefährten beschreiben. Kubicki, einst Skeptiker, wurde später enger Vertrauter und nannte ihn schließlich „das Beste, was wir hatten“.

    Auch Kubicki spürte, dass dieser Mann kaum jemanden wirklich an sich ran ließ. „Er wirkte damals unnahbar, um nicht auf seine sexuelle Orientierung angesprochen zu werden.“ Guido Westerwelle war schwul. In einer Zeit, in der homosexuelle Männer noch diskriminiert wurden, war das kein leichter Weg. Als 18-Jähriger wurde er wegen seiner sexuellen Orientierung vom Wehrdienst ausgeschlossen: „1979 wurden gleichgeschlechtlich orientierte Männer ausgemustert. So war das damals“, erklärte er in einem „Spiegel“-Interview.

    1997 nannte ihn das Nachschlagewerk „Out!“ als schwule Persönlichkeit des öffentlichen Lebens – er widersprach nicht. Seit 2003 lebte er mit dem sechs Jahre jüngeren Unternehmer und Sportmanager Michael Mronz zusammen, 2004 trat das Paar bei der Feier zum 50. Geburtstag der damaligen CDU-Chefin Angela Merkel erstmals öffentlich auf. Westerwelle und Mronz gingen am 17. September 2010 in Bonn eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein. Auch deswegen musste der Mann, der bisweilen leidenschaftlich austeilen konnte, nun Diskriminierungen ertragen, die unter die Gürtellinie zielten.

    Leukämie-Diagnose im Juni 2014

    Im Juni 2014 erhielt Guido Westerwelle die Diagnose Leukämie. Geplant war eigentlich eine Meniskus-Operation – eine vorbereitende Blutuntersuchung brachte den Befund. Westerwelle kämpfte diszipliniert und ohne Selbstmitleid gegen die Krankheit. „Wie er dem Tod zwei Jahre lang die Stirn bot, machte ihn vom vermeintlichen Schnösel und Provokateur zu einem nahbaren Menschen“, schrieb die „SZ“.

    Gemeinsam mit Journalist Dominik Wichmann veröffentlichte er im November 2015 das Buch „Zwischen zwei Leben“ – in der Hoffnung, nach seinem politischen Leben ein zweites führen zu dürfen. In der ARD-Doku hört man ihn sagen: „Krebs und die Hoffnung, dass man ihn überwindet, macht alle Menschen gleich.“ Sein Biograf berichtet rückblickend: „Ich habe noch nie einen so erschöpften Menschen gesehen.“ Westerwelle selbst sagte: „Jahrzehntelang war ich ein Starker, und plötzlich bin ich ein ganz Schwacher.“ Auf die Frage, was für ihn das größte Glück sei, antwortete er schlicht: „Erwiderte Liebe.“

    Quelle: Gala

  • Guido Westerwelle (†): Lebensgefährte verrät, welcher Satz seines Arztes alles veränderte

    Guido Westerwelle (†): Lebensgefährte verrät, welcher Satz seines Arztes alles veränderte

    Zehn Jahre nach Guido Westerwelles Tod spricht Lebensgefährte Michael westerwelle-todestag/“ title=“Michael Mronz über Guido Westerwelle: Er denkt fast täglich an ihn“>Mronz über Trauer, Liebe und das Versprechen, das er ihm gab.

    Wenn Michael Mronz, 59, gefragt wird, was ihm als Erstes in den Sinn kommt, wenn er an seinen vor zehn Jahren verstorbenen Lebensgefährten Guido Westerwelle denkt, antwortet er: „Sein Lächeln. Fröhlich, positiv, neugierig.“

    13 Jahre war der Sportmanager an der Seite des ehemaligen Vizekanzlers und FDP-Politikers – von 2003 bis zu dessen Tod am 18. März 2016. Am kommenden Mittwoch jährt sich der Todestag des FDP-Politikers zum zehnten Mal. Im Interview mit dem „Stern“ spricht Mronz darüber, was von dieser Liebe geblieben ist.

    Guido Westerwelle (†): Lebensgefährte verrät, welcher Satz seines Arztes alles veränderte

    Schon vor seiner Erkrankung hatte Guido Westerwelle zu Michael Mronz gesagt: „Wenn mir etwas passiert, versprich mir eines – lebe dein Leben und sei glücklich.“ Als Außenminister war Westerwelle ständig unterwegs, wusste, dass ihm etwas zustoßen konnte. Für ihn als rationalen Menschen gehörte es dazu, solche Dinge auszusprechen, erklärt Mronz im Gespräch mit „Stern“.

    Michael Mronz mit einem Bild des verstorbenen Guido Westerwelle.
    © imago/VISTAPRESS

    Den entscheidenden Perspektivwechsel aber brachte ein Satz vom behandelnden Professor Hallek, kurz nach der Leukämie-Diagnose: „Herr Mronz, 13 Jahre erwiderte Liebe sind ein Privileg.“ Das sei, erinnert sich Mronz, „ein echter Gamechanger“ gewesen. Denn ab diesem Moment „ging es nicht mehr um das Warum des Endes, sondern um Dankbarkeit für alles bis dahin“.

    Respekt statt Mitleid

    Die Zeit der Krankheit hätten sie bewusst offen gelebt. Da Guido Westerwelles Erkrankung ohnehin öffentlich werden würde, entschieden sie, offensiv damit umzugehen – damit niemand spekulieren musste und sie sich auf die Behandlung konzentrieren konnten. Klagen oder Selbstmitleid? Fehlanzeige. Westerwelle habe kein einziges Mal Mitleid für sich beansprucht. Stattdessen habe er oft gesagt: „Was tue ich dir mit meiner Krankheit an?“

    Michael Mronz wird an der Beerdigung von Guido Westerwelle im April 2016 von dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck getröstet. Westerwelle wurde nur 54 Jahre alt.
    © Federico Gambarini

    Privat sei Guido Westerwelle stets zugewandt und loyal gewesen – weit entfernt von dem kantigen Politiker, den die Öffentlichkeit kannte. In 13 gemeinsamen Jahren hätten sie kein einziges Mal gestritten. „Diese Missverständnisse, aus denen bei anderen Paaren oft Streit entsteht, gab es bei uns nicht. Weil wir grundsätzlich davon ausgingen, dass der andere es gut meint. Das verändert viel.“

    Michael Mronz „denke fast jeden Tag an Guido“

    Dass diese Liebe auch nach außen hin sichtbar war, zeigt eine kleine Geschichte, die Michael Mronz im „Stern“-Interview erzählt: Ein junger Arzt aus Deutschland sprach ihn einmal auf der Straße in New York an und sagte: „Danke, dass Sie Ihr Leben zu zweit so selbstverständlich gelebt haben. Das hat mir den Mut gegeben, mich vor meinen Eltern zu outen.“ Genau das sei es gewesen, worum es Guide Westerwelle gegangen sei – nicht um Aktivismus, sondern darum zu zeigen, dass es normal ist.

    „So haben wir es auch als Paar gehalten: Wir sind einfach gemeinsam zu Veranstaltungen gegangen. Jeder konnte sich seinen Teil denken.“ Den Todestag betrachtet Michael Mronz nüchtern: „Der Todestag selbst ist ja nichts Positives.“ Er brauche kein Datum für die Erinnerung: „Ich denke ohnehin fast jeden Tag an ihn. Das, was Guido und ich hatten, trägt mich bis heute.“

    Verwendete Quelle: stern.de

    Quelle: Gala

  • Michael Mronz über Guido Westerwelle: Er denkt fast täglich an ihn

    Michael Mronz über Guido Westerwelle: Er denkt fast täglich an ihn

    Zehn Jahre nach Guido Westerwelles Tod spricht Lebensgefährte Michael Mronz über Trauer, Liebe und das Versprechen, das er ihm gab.

    Wenn Michael Mronz, 59, gefragt wird, was ihm als Erstes in den Sinn kommt, wenn er an seinen verstorbenen Partner denkt, antwortet er: „Sein Lächeln. Fröhlich, positiv, neugierig.“ 13 Jahre war der Sportmanager an der Seite von Guido Westerwelle – von 2003 bis zu dessen Tod am 18. März 2016. Am kommenden Mittwoch jährt sich der Todestag des FDP-Politikers zum zehnten Mal. Im Interview mit dem „Stern“ spricht Mronz darüber, was von dieser Liebe geblieben ist.

    „Lebe dein Leben und sei glücklich“

    Schon vor seiner Erkrankung hatte Westerwelle zu Mronz gesagt: „Wenn mir etwas passiert, versprich mir eines – lebe dein Leben und sei glücklich.“ Als Außenminister war Westerwelle ständig unterwegs, wusste, dass ihm etwas zustoßen konnte. Für ihn als rationalen Menschen gehörte es dazu, solche Dinge auszusprechen, erklärt Mronz in dem Gespräch.

    Den entscheidenden Perspektivwechsel aber brachte ein Satz vom behandelnden Professor Hallek, kurz nach der Leukämie-Diagnose: „Herr Mronz, 13 Jahre erwiderte Liebe sind ein Privileg.“ Das sei, erinnert sich Mronz, „ein echter Gamechanger“ gewesen. Denn ab diesem Moment „ging es nicht mehr um das Warum des Endes, sondern um Dankbarkeit für alles bis dahin“.

    Respekt statt Mitleid

    Die Zeit der Krankheit hätten sie bewusst offen gelebt. Da Westerwelles Erkrankung ohnehin öffentlich werden würde, entschieden sie, offensiv damit umzugehen – damit niemand spekulieren musste und sie sich auf die Behandlung konzentrieren konnten. Klagen oder Selbstmitleid? Fehlanzeige. Westerwelle habe kein einziges Mal Mitleid für sich beansprucht. Stattdessen habe er oft gesagt: „Was tue ich dir mit meiner Krankheit an?“

    Privat sei Westerwelle stets zugewandt und loyal gewesen – weit entfernt von dem kantigen Politiker, den die Öffentlichkeit kannte. In 13 gemeinsamen Jahren hätten sie kein einziges Mal gestritten. „Diese Missverständnisse, aus denen bei anderen Paaren oft Streit entsteht, gab es bei uns nicht. Weil wir grundsätzlich davon ausgingen, dass der andere es gut meint. Das verändert viel.“

    „Es ging darum zu zeigen, dass es normal ist“

    Dass diese Liebe auch nach außen hin sichtbar war, zeigt eine kleine Geschichte, die Mronz im „Stern“-Interview erzählt: Ein junger Arzt aus Deutschland sprach ihn einmal auf der Straße in New York an und sagte: „Danke, dass Sie Ihr Leben zu zweit so selbstverständlich gelebt haben. Das hat mir den Mut gegeben, mich vor meinen Eltern zu outen.“ Genau das sei es gewesen, worum es Westerwelle gegangen sei – nicht um Aktivismus, sondern darum zu zeigen, dass es normal ist. „So haben wir es auch als Paar gehalten: Wir sind einfach gemeinsam zu Veranstaltungen gegangen. Jeder konnte sich seinen Teil denken.“

    Den Todestag betrachtet Mronz nüchtern: „Der Todestag selbst ist ja nichts Positives.“ Er brauche kein Datum für die Erinnerung: „Ich denke ohnehin fast jeden Tag an ihn. Das, was Guido und ich hatten, trägt mich bis heute.“

    Quelle: Gala