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Nadja Auermann: "Ich war fast ein bisschen sportsüchtig"

Marketing Marketing 29. März 2026 4 Min. Lesezeit 537 Aufrufe 0

Um Nadja Auermann war es eine Weile ruhig geworden. In GALA erzählt sie, warum sie jetzt neue Kraft spürt, wie die wilden Jahre als Model-Ikone waren und was sie mit Claudia Schiffer verbindet.

Sie war eines der Supermodel-Ikonen in den Neunzigern. Ihre Markenzeichen: platinblonde Haare und Endlosbeine (112 Zentimeter!). Auch heute hält jeder den Atem an, wenn Nadja Auermann, 55, den Raum betritt. So schön ist die Vierfach-Mutter, die inzwischen zurückgezogen mit ihrer Familie und ihren Tieren in Dresden lebt. Bei den Spa Awards in Baden-Baden (alles dazu nächste Woche in GALA) wird sie als „Beauty Idol“ ausgezeichnet. Vor der Verleihung treffen wir uns zum Gespräch. Nadja Auermann, das merkt man sofort, ruht in sich.

Nadja Auermann über das Modelleben, Freundschaften und das Älter-werden

GALA: Was ist Schönheit für Sie?
Nadja Auermann: Schönheit ist ein sehr weiter Begriff. Sie liegt im Auge des Betrachters und kann alles sein: Natur, ein Klang, Farben oder auch ein Gefühl. Für mich ist Schönheit etwas, was einen in Ausgleich bringt – mit sich selbst, mit der Natur, mit dem Schöpfer.

Sie sagen heute, als Supermodel der Neunziger seien Sie wie eine Hochleistungssportlerin gewesen …
Das war ein permanenter Ausnahmezustand: Ich bin damals eine Show nach der anderen gelaufen. Backstage waren immer Horden von Fotografen – und ich habe Interviews gegeben, während ich geschminkt wurde. Wochenenden gab es nicht. Ich bin mit der Concorde nach New York geflogen, hatte dort ein Shooting und bin mit dem Nachtflug zurück nach Paris. Dann direkt zum Studio, duschen und weitermachen. Das war schon alles sehr verrückt.

Haben Sie Ihren Körper eher als Verbündeten oder Gegner erlebt?
Ich stand unter permanentem Druck, immer zu funktionieren, mein Körper war eher ein Verbündeter. Ich hatte auch einen guten Stoffwechsel, habe immer sehr gerne Sport gemacht, war fast ein bisschen sportsüchtig.

Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Christy Turlington, Cindy Crawford – die ganze Supermodel-Riege von damals folgt Ihnen auf Instagram. Haben die Freundschaften gehalten?
Wir haben alle unser Leben, sind alle Mütter, gestandene Frauen und über die ganze Welt verteilt. Aber wenn wir uns sehen, ist es wie früher – als ob kein Tag vergangen ist. Man spürt sofort die Verbindung. Mit Claudia habe ich zum Beispiel die Arbeitsmoral geteilt, wir sind beide sehr pünktlich und diszipliniert. Ich musste mir in Frankreich angewöhnen, zu spät zu kommen – weil immer nur die Assistenten da waren, wenn ich ankam. (lacht)

Nadja Auermann im Jahr 1995 mit Elle Macpherson, Claudia Schiffer und Designer Valentino.
© RINDOFF-GARCIA / BESTIMAGE

„Dann ziehe ich mich in mein Schneckenhaus zurück“

Sie scheinen in sich zu ruhen. Was mussten Sie dafür loslassen?
Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Loslassen war. Eher ein Ankommen bei mir selbst. Die Wechseljahre bringen Veränderungen mit sich. Ich finde es gut, dass Frauen heute offen darüber sprechen. Ich freue mich, als „Beauty Idol“ ausgewählt zu werden, weil es zeigt, dass das Leben mehr ist als äußere Schönheit. Ich stehe für eine Frau, die weder Schönheits-Operationen noch Ozempic genutzt hat.

Wie ist denn Ihr Beauty-Geheimnis?
Ich bin ein totaler Creme-Junkie, probiere alles aus. Ich finde es schön, in Würde zu altern. Mal sehen, wie das in zehn Jahren ist. Vielleicht bin ich dann doch geliftet. (lacht)

Heute leben Sie zurückgezogen mit Ihrer Familie in Dresden …
Mein Sternzeichen ist Fisch – ich kann sehr extrovertiert sein und liebe es, auf der Bühne zu stehen und mich darzustellen. Aber ich bin auch sehr introvertiert und brauche, gerade wenn ich mit vielen Menschen rede und viel Energie abgeben muss, danach auch wieder Zeit für mich allein. Dann ziehe ich mich in mein Schneckenhaus zurück, gehe in den Wald, in die Natur. Schon als Kind war ich jeden Tag im Wald spielen, bis es dunkel wurde. Für mich ist die Natur eine wichtige Energiequelle.

Sie scheinen jetzt wieder bewusster in die Öffentlichkeit zu gehen – zu „GNTM“, zu Events. Stimmt das?
Ja. Es gab eine Phase, in der ich ganz bei mir sein wollte. Jetzt habe ich wieder Lust rauszugehen und mitzuspielen. Ich liebe die Verwandlung – das war immer der Grund, warum ich Model geworden bin. Schon als Kind fand ich es toll, mich zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen. Und mochte Fotos nicht, auf denen ich ganz natürlich war. Weil ich dann immer das Gefühl hatte: Das ist ja ein Porträt von mir, was soll das? Ich möchte doch jemanden darstellen – weil ich mich selber gar nicht so spektakulär fand. Dieses Spiel zwischen Extrovertiertsein und Rückzug gehört zu mir.

In der aktuellen Staffel von Heidi Klums „Germany’s Next Topmodel“ war Nadja Auermann als Gastjurorin dabei.
© Daniel Graf/ProSieben

„Plötzlich steht dein Kind an erster Stelle“

Welchen Rat geben Sie Ihren Kindern mit auf den Weg?
Sei du selbst. Jeder ist einzigartig. Ich wollte früher immer anders sein. Ich dachte in der Pubertät: Die anderen sind alle schöner als ich. Ich war groß und dünn – und wollte gerne kleiner sein und eine Sophia-Loren-artige Figur haben. Heute weiß ich: Es geht darum, anzunehmen, wer man ist, und das Beste daraus zu machen, anstatt dagegen zu kämpfen – das ist wichtig. Ich hatte sogar mal eine Dauerwelle, das sah vielleicht schlimm aus! (lacht)

Hat Sie das Muttersein weicher oder stärker gemacht?
Wenn man sein Kind im Arm hat und spürt, dass es einen braucht, ist das etwas Wunderschönes. Denn plötzlich steht dein Kind immer an erster Stelle. Also wahrscheinlich hat es mich stärker gemacht.

Wer ist Nadja Auermann heute?
Ich bin das Ergebnis meines Lebens – und vielleicht wieder ein bisschen wie ein Kind, das neugierig, staunend und liebevoll durch die Welt läuft und träumt.

Quelle: Gala