Schlagwort: Handelspolitik EU

  • Industrie: EU einigt sich auf schärfere Regeln für Stahlimporte

    Industrie: EU einigt sich auf schärfere Regeln für Stahlimporte

    Die europäische Stahlindustrie hat mit viel günstiger Konkurrenz aus Asien zu kämpfen. Einfuhrkontingente sollen helfen – und künftig noch kleiner werden.

    Zum Schutz der europäischen Stahlindustrie verschärft die EU ihre Einfuhrregeln. Vertreter der Mitgliedstaaten und des EU-Parlaments einigten sich in der Nacht zu Dienstag darauf, dass deutlich weniger Stahl als bisher zollfrei in die EU importiert werden darf. Künftig ist die zollfreie Einfuhrmenge demnach auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr begrenzt. Das sind etwa 47 Prozent weniger als bisher. Weitere Importe sollen laut Mitteilung der EU-Staaten dann mit einem Strafzoll von 50 Prozent belegt werden, doppelt so viel wie bisher. 

    Besonders aus China, Indien und der Türkei exportierter günstiger Stahl macht den europäischen Herstellern zu schaffen. Die neuen Regeln schützten den europäischen Markt vor globaler Überproduktion, heißt es in der Mitteilung. Dafür lege die Vereinbarung auch fest, dass den verschiedenen Drittstaaten ein spezifischer Anteil des zollfreien Stahlkontingents zugutekommen soll. 

    Verhandlungen mit Drittstaaten laufen bereits 

    Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, dass dazu bereits Verhandlungen mit den betroffenen WTO-Ländern stattfänden. Details nannte er nicht. Um Umgehungen der Zollregeln zu verhindern, sehen die neuen Regeln vor, dass „Melt-and-Pour“-Prinzip (Schmelzen-und-Gießen-Prinzip) anzuwenden. Der eingeführte Stahl wird dadurch dem Land zugeordnet, in dem der Stahl erstmals in flüssiger Form hergestellt und anschließend in feste Form gegossen wurde. 

    Gleichzeitig solle Flexibilität gewahrt werden, heißt es in der Mitteilung. So sollen weiterhin nicht ausgeschöpfte Einfuhrkontingente von einem Quartal auf das nächste übertragen werden können. Ob die Maßnahmen den gewünschten Effekt haben, soll die Europäische Kommission laut Vereinbarung sechs Monate nach Inkrafttreten erstmals prüfen. Dann wäre auch eine Erweiterung auf zusätzliche Stahlprodukte denkbar. 

    Stahl im Überblick

    Die bisherige Verordnung zu den Einfuhrgesetzen läuft am 30. Juni aus. Damit die neuen Regeln in Kraft treten können, müssen die Mitgliedstaaten und die Parlamentarier noch formell zustimmen. Das gilt als Formsache.

    Industrieverband begrüßt Einigung 

    Aus der Industrie kamen zunächst positive Reaktionen. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl teilte mit, man begrüße die neuen Regeln. „Die gestern Nacht erzielte Einigung ist ein großer Schritt zur Sicherung des Stahl- und Industriestandorts Deutschland“, sagte Hauptgeschäftsführerin Kerstin Maria Rippel laut Mitteilung. Deutsche Unternehmen stünden durch die Auswirkungen globaler Überkapazitäten seit Jahren unter massivem Druck.

    Auch die IG Metall zeigte sich über die verschärften Bestimmungen erfreut. „Die Maßnahmen können dazu beitragen, industrielle Arbeitsplätze in Deutschland und Europa zu sichern“, sagte Gewerkschafter Jürgen Kerner laut Mitteilung. Gleichzeitig forderte er von der Politik, für das Überleben der europäischen Stahlindustrie die Nachfrage zu stärken. 

    Der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange (SPD), teilte mit: „Das ist Rückenwind für eine Industrie, die gleichzeitig mitten in der Transformation hin zur Klimaneutralität steht.“

    Quelle: Stern

  • Rohstoffe China Unabhängigkeit: EU Sichert Deal mit Australien

    Rohstoffe China Unabhängigkeit: EU Sichert Deal mit Australien

    „Der weltweit größte Lithiumlieferant“ – mit diesen Worten beschreibt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Australien. Um sich den Zugang zu wichtigen Rohstoffen zu sichern und die Abhängigkeit von China zu verringern, hat die Europäische Union nun ein Handelsabkommen mit Australien geschlossen. Ziel ist es, europäische Unternehmen unabhängiger von einzelnen Lieferanten zu machen.

    Symbolbild zum Thema Rohstoffe China Unabhängigkeit
    Symbolbild: Rohstoffe China Unabhängigkeit (Bild: Picsum)

    Warum strebt die EU rohstoffe china unabhängigkeit an?

    Die Europäische Union möchte ihre Abhängigkeit von China reduzieren, da das Land derzeit den Großteil der europäischen Rohstoffimporte liefert und zahlreiche Patente für die Verarbeitung dieser Rohstoffe hält. Die EU will sicherstellen, dass kein Land den Zugang zu wichtigen Ressourcen als Druckmittel einsetzen kann. Wie Stern berichtet, sollen durch das Abkommen Zölle abgebaut und der Handel erleichtert werden. (Lesen Sie auch: Lufthansa München Ausbau: Zehn Millionen Mehr Passagiere?)

    Das Handelsabkommen zwischen der EU und Australien

    Nach jahrelangen Verhandlungen unterzeichneten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der australische Premierminister Anthony Albanese in Canberra das Abkommen. Es zielt darauf ab, Zölle abzubauen und den Handel mit Dienstleistungen sowie gegenseitige Investitionen zu erleichtern. Ein zentraler Punkt ist der Abbau von Zöllen auf Rohstoffe und verarbeitete Produkte.

    Die EU exportiert im Gegenzug Maschinen, Chemikalien und Bauteile für den Verkehrssektor nach Australien. Davon profitiert insbesondere die deutsche Maschinenbau- und Chemieindustrie. (Lesen Sie auch: Mercosur Freihandelsabkommen: Startschuss am 1. Mai?)

    Länder-Kontext

    • Österreichische Unternehmen könnten von dem Abkommen profitieren, insbesondere im Bereich Maschinenbau und spezialisierte chemische Produkte.
    • Die österreichische Bundesregierung unterstützt grundsätzlich die Diversifizierung der Rohstoffquellen, um die Abhängigkeit von einzelnen Ländern zu verringern.
    • Das Abkommen könnte auch Auswirkungen auf den Hafenstandort Triest haben, der als wichtiger Umschlagplatz für Waren zwischen Asien und Europa fungiert.
    • Die zuständigen Behörden in Österreich, wie das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft, werden die Umsetzung des Abkommens genau beobachten.

    Welche Rohstoffe sind besonders wichtig?

    Australien gilt als bedeutender Lieferant von Lithium und verfügt über weitere Rohstoffe, die für Zukunftstechnologien unerlässlich sind. Dazu gehören beispielsweise Rohstoffe für Elektroautos und Offshore-Windkraftanlagen. Die Europäische Union will durch das Abkommen sicherstellen, dass europäische Unternehmen einen besseren Zugang zu diesen Ressourcen erhalten.

    Wie geht es weiter?

    Der Handelsvertrag wird nun einer juristischen Prüfung unterzogen und in die 24 Amtssprachen der EU übersetzt. Anschließend müssen das Europäische Parlament und das australische Parlament das Abkommen ratifizieren. Dieser Prozess kann mehrere Monate dauern. (Lesen Sie auch: Immobilienmarkt Babyboomer: Kommt die Preiswelle Wirklich?)

    EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen betonte, dass durch das Abkommen sichergestellt werden solle, dass kein Land den Zugang zu Energie, Halbleitern oder Seltenerdmineralien als Waffe nutzen könne, um die europäische Wirtschaft zu beeinflussen. Mehr Informationen zum Thema finden sich auf der abschaffen.EU Seite.

    Detailansicht: Rohstoffe China Unabhängigkeit
    Symbolbild: Rohstoffe China Unabhängigkeit (Bild: Picsum)

    Ausblick auf die regionale Bedeutung

    Für Österreich könnte das Abkommen mit Australien neue Chancen eröffnen, insbesondere für Unternehmen, die im Bereich der erneuerbaren Energien und der Elektromobilität tätig sind. Die Diversifizierung der Rohstoffquellen könnte dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie zu stärken und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern zu reduzieren. Die ORF bietet regelmäßig Updates zu diesem Thema. (Lesen Sie auch: Nvidia Aktie: Analysten sehen Kurspotenzial – KI-Boom)

    Illustration zu Rohstoffe China Unabhängigkeit
    Symbolbild: Rohstoffe China Unabhängigkeit (Bild: Picsum)