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  • Morgenstern Mehr: Wie Viel Arbeit Erträgt Unser Leben?

    Morgenstern Mehr: Wie Viel Arbeit Erträgt Unser Leben?

    Bundeskanzler Merz mahnt, die Deutschen müssen mehr arbeiten. Aber wann ist es zu viel? Ein Blick nach Japan. Und: Die Eltern im Fall Fabian sagen aus. Die Lage am Morgen.

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    Symbolbild: Morgenstern Mehr (Bild: Picsum)

    Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

    Gehen Sie morgen auf eine 1.-Mai-Kundgebung? Oder machen Sie einfach nur einen Spaziergang in der Sonne? Das Motto der Gewerkschaften lautet: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite.“ Die politische Stimmung in Deutschland ist aufgeladen.

    Wenn die Koalition hält und sich Kanzler und Vizekanzler trauen, wird es bei der gesetzlichen Rente, bei Steuern und im Gesundheitssystem Veränderungen geben. Wahrscheinlich auch beim Arbeitszeitgesetz. Die tägliche Höchstarbeitszeit von acht (beziehungsweise zehn) Stunden soll durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt werden. So sollen die Arbeitsstunden flexibler über die Woche verteilt werden können. Es wird eine maximale Arbeitszeit von bis zu 48 Stunden pro Woche diskutiert. Kanzler Merz meint, wir müssten wieder mehr und effizienter arbeiten. CSU-Chef Söder sagte neulich in einem Interview: „Eine Stunde mehr Arbeit in der Woche würde uns enorm viel Wirtschaftswachstum bringen und ist wirklich nicht zu viel verlangt.“

    Wie viel arbeiten wir eigentlich? Im Durchschnitt beträgt die Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten 40,2 Stunden pro Woche, Teilzeitkräfte kommen auf 20,9 Stunden. Die Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen beträgt 34,3 Stunden. Damit liegen wir deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 36,8 Stunden. In Serbien wird mit 42,2 Stunden am längsten gearbeitet. (Lesen Sie auch: Wal-Newsblog: Retter wollen GPS-Daten des Wals geheim…)

    Ich bin seit einigen Wochen in einem Land, in dem extrem viel gearbeitet wird. Im Durchschnitt arbeitet ein Japaner 300 Stunden im Jahr mehr als ein Deutscher. Das ist ein Plus von siebeneinhalb Wochen. 45 regelmäßige Überstunden pro Monat sind erlaubt. In Ausnahmefällen in einem Monat bis zu 100. Hinzu kommen zig unbezahlte Überstunden, sogenannte „Service-Stunden“, die in keiner Statistik auftauchen. Bezahlte Krankentage sind bei japanischen Arbeitgebern die Ausnahme.

    Im Durchschnitt nehmen Japanerinnen und Japaner nur 11 von 20 Urlaubstagen, die ihnen zustehen. Es kommt vor, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von ihren Firmen gezwungen werden müssen, wenigstens die fünf gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubstage im Jahr zu nehmen.

    Auch in Japan wird über eine Arbeitszeitreform diskutiert. Die Jungen wollen weniger Überstunden machen, schon gar nicht unbezahlte. Regierungschefin Sanae Takaichi dagegen gab für sich und die Nation ein anderes Ziel aus: „Work, work, work, work and work.“ Die Formulierung wurde 2025 in Japan „das Wort des Jahres“. Takaichi ist stolz darauf, mit „zwei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht“ auszukommen. Der Begriff „Work-Life-Balance“ existiere für sie nicht. Die sogenannte „Arbeitsstilreform“ (zum Beispiel 45 Überstunden pro Woche als Obergrenze) soll aufgeweicht werden. Schon heute steht in vielen Arbeitsverträgen, dass 45 Überstunden pro Monat erwartet und nicht extra bezahlt werden.

    In Japan sterben Menschen an Überarbeitung

    Die Firmen- und Arbeitskultur belohnt jene, die viele Jahre in der Firma sind und noch lange nach Feierabend arbeiten. Viele Angestellte gehen erst nach Hause, wenn der Chef das Büro verlassen hat. Und oft verlangt es der ausgeprägte Teamgeist, dass man nach Feierabend noch zusammen einen trinken geht.

    Wenn ich abends spät in Tokio unterwegs bin, sind die Izakayas (so heißen hier die Eckkneipen) noch brechend voll. Meist mit einem extrem hohen Männeranteil. Die Grüppchen sitzen draußen und drinnen um kleine Tische, trinken Bier und Sake. Manchmal sehe ich aber auch, wie angestrengt und erschöpft manche dabei hocken.  (Lesen Sie auch: Wal-Newsblog: Retter wollen GPS-Daten des Wals geheim…)

    Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung gibt es in Japan ein Wort für „Tod durch Überarbeitung“: Karoshi. 2024 erkannten Gerichte 89 arbeitsbedingte Suizide oder Suizidversuche und über 240 Hirn- und Herzinfarkte als „Karoshi“ an. Die Dunkelziffer liegt höher.

    Auch war hier die TV-Serie „The Pride of the Temp“ (japanischer Originaltitel: Haken no Hinkaku) ein großer Erfolg. Sie erzählt die Geschichte einer extrem fähigen Leiharbeiterin, die mit Arbeitsritualen bricht, keine Überstunden macht und keine Rücksicht auf Hierarchien in der von Männern dominierten Firmenwelt nimmt. Träumen wird man ja noch dürfen.

    Ich wünsche Ihnen einen sonnigen 1. Mai.

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    Der Fall Fabian: Heute sagen die Eltern aus

    Erst die Mutter, dann der Vater. Die Eltern des ermordeten Jungen sagen im Prozess gegen Gina H. nacheinander aus. Der Tag vor Gericht wird emotional. Vor allem die Vernehmung des Vaters könnte brisant werden. Die Eltern von Fabian sind seit Jahren getrennt. Sie teilen die Trauer um ihren verlorenen Sohn – blicken aber nach allem, was bislang bekannt ist, sehr unterschiedlich auf den Fall und die angeklagte Gina H.. Er soll etwa vier Jahre lang eine Beziehung mit der Verdächtigen gehabt haben. 

    5-Minuten-Talk: Die alte Arbeiterpartei SPD verliert gegen die AfD

    Morgen ist es wieder so weit: Tag der Arbeit, Tag der großen Reden auf großen Bühnen, rote Fahnen, Gewerkschafter und Sozialdemokraten Hand in Hand mit der deutschen Arbeiterschaft. So war es immer, doch so ist es längst nicht mehr. Die SPD hat den Titel als die Arbeiterpartei inzwischen an die AfD verloren. Bei immer mehr Wahlen erobert die populistische Rechte einstige Hochburgen der Sozialdemokratie, und das nicht mehr nur im Osten des Landes. (Lesen Sie auch: Gestrandeter Transport: Wal: Wal)

    Woran das liegt und was die SPD tun könnte, um das Vertrauen der sogenannten kleinen Leute zurückzugewinnen – darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz. 

    Weitere Schlagzeilen im Überblick

    Das passiert am Donnerstag, dem 30. April 2026

    • Die Europäische Zentralbank berät in Frankfurt am Main über den Leitzins
    • Volkswagen veröffentlicht die Quartalszahlen
    • Die Gewerkschaft Verdi ruft zu bundesweiten Streiks in Postbank-Filialen auf

    Unsere stern+-Empfehlung des Tages

    Während der Menopause durchleben Frauen eine Phase des relativen Chaos, in der sich die biologischen Prozesse neu sortieren. Ähnlich der Pubertät kann das mit lästigen Symptomen einhergehen: Hitzewallungen, Brainfog, Stimmungsschwankungen. Auch ein dicker werdender Bauch gehört leider oft dazu. Obwohl man sich genauso ernährt wie zuvor, sich genauso viel bewegt, wird der Bauch plötzlich immer dicker. Und er ist hartnäckig. Was helfen kann? Die richtige Ernährung.

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    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag! Am Feiertag erscheint kein morgenstern, wir lesen uns am Montag wieder.

    Alexandra Kraft (Lesen Sie auch: Gestrandeter Wal: Wal-Transport fährt auf Ostsee weiter…)

    Ursprünglich berichtet von: Stern

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